|
NEWS:
Zum Abschreiben verpflichtet. Vom Alltag in einer Grundschule
in Kampala, Uganda. mehr...
Als "Uni-Botschafter" in Uganda. Juniorprof. Dr.
Dirk Rübbelke (TU-Chemnitz) übergibt 261 Schulbücher
an die New Bubajjwe Primary School in Wert von 1.020 Euro im Juli
2005. mehr...
Afrika-Europa-Tag, 15.11.2005 an der TU-Chemnitz. Neben zahlreichen
Vorträgen sollen alle Spenden zur Instandsetzung der Schulgebäude
der New Bubajjwe Primary School zu Gute kommen. mehr...

Foto: D. Rübbelke
Bulungi - Community Based Organisation (CBO)
Bulungi ist ein Ausdruck in Luganda, - einer lokalen Sprache,
die überwiegend in der Hauptstadt von Uganda - Kampala - gesprochen
wird - der verwendet wird, wenn jemand sagen will das es ihm gut geht.
Gut, in Beziehung auf Gesundheit, finanzieller Lage, Familie, eigenes
Wohlbefinden oder wenn man sagen will, dass etwas hübsch oder
schön ist. Also ein durch und durch positiver Ausdruck.
In Kawampe - einem District von Kampala, in dem überwiegend
ärmere Menschen wohnen - hat sich im April 2005 eine Community
Based Organisation - eine auf die Belange der lokalen Gemeinschaft
bezogene Organisation - gegründet. Die CBO ist momentan noch
im Entstehen und arbeitet in einem kommunalen Rat einen Arbeitsplan
aus. Zu den Aufgaben der CBO sollen in erster Linie die Entwicklung
von Programmen zu medizinischer Grundversorgung und gesundheitlicher
Vorsorge als auch die Bereitstellung von Grundschulbildung an der
New Bubajjwe Primary School sein. Während sich das Gesundheitsprogramm
noch im Aufbau befindet, gibt es die Grundschule bereits seit 1997.
New Bubajjwe Primary School
Die Schule wurde auf Initiative einer Familie gegründet, die
in einem kleinen Teil des Kawempe Districts Bildung für benachteiligte
Kinder bereitstellen wollte.
In der Schule gibt es zwei Vorschulklassen (Nursery Class) und wie
gewöhnlich sieben Grundschulklassen - Primary 1 bis Primary 7.
Je nach Schuljahr sind zwischen 45 und 55 Kindern in einer Klasse.
An der Schule unterrichten 15 LehrerInnen.
Alle Unterrichtsfächer werden an den Schulen in Uganda in Englisch
unterrichtet, was zu großen Leistungsdefiziten führt. Die
Kinder verstehen oft nicht gut Englisch und haben deshalb keinen Zugang
zum Unterrichtsstoff. Die Lehrer sprechen häufig nicht einmal
Luganda, da sie teilweise aus anderen Landesteilen nach Kampala gezogen
sind. Daraus ergibt sich, dass die Kinder bei Examen häufig weder
die Fragen verstehen noch die Lösungen parat haben. Die Unterrichtsmethoden
stellen auf Frontalunterricht ab: Tafelbilder abschreiben, Texte im
Chor nachsprechen, im Chor lesen oder dem Lehrer einfach nachsprechen,
was er vorsagt. Eigenständiges kritisches Denken, Schreiben,
Diskutieren oder Lesen werden teils auf Grund der Klassenstärke,
auf Grund fehlender Motivation der Lehrer, schlechter Unterrichtsbedingungen
und vor allem fehlender Materialien sowie Lehrbücher vernachlässigt.
Foto: D. Rübbelke
Typische Probleme der Schule
- Mangelnde Schulausstattung, z.B. zu wenige Schulbänke und Tische
- Fehlende Unterrichtsmaterialien, z.B. Schreibhefte und Bleistifte
oder Füller
- Fehlende Schul- und Lesebücher
- Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen meist über
45 SchülerInnen
- Altersunterschied in den Klassen sehr hoch
- unterschiedliche Niveaus in Bezug auf Wissen und Fähigkeiten
in den Klassen
- unterschiedlicher sozialer und familiärer Background
- mangelhaftes fachliches und pädagogisches Wissen und Können
der Lehrer
- Englisch als Unterrichtsspache stellt für SchülerInnen
Verständnisbarriere dar
- keine allgemeine Schulspeisung
- Schulgebühren verhindern teilweise durchgängige Teilnahme
am Unterricht
Bildungssystem in Uganda
Erst seit 1998 ist Grundschulbildung für die ersten vier geborenen
Kinder einer Familie kostenlos. Wo vorher verhältnismäßig
wenige Kinder zur Schule gingen, sind Klassenräume seither überfüllt.
Das Lehrer-Schülerverhältnis liegt um 1:65. Zwar hat sich
die Einschulungsrate drastisch erhöhte, aber die Qualität
des Unterrichts bleibt unzureichend bis schlecht. Vielen staatlichen
Schulen fehlt die Grundausstattung an Unterrichtsmaterialien, eine
entsprechende Bibliothek, Ausstattung oder adäquaten Sanitäreneinrichtungen
für Jungen und Mädchen. Oft sind die staatlichen Schulen
auf den urbanen Raum konzentriert und es fehlt an genügend Grundschulen
im ländlichen Raum und weiterführenden Bildungs- und Ausbilsungschancen.
Zwar arbeitet das Bildungsministerium mit einem entsprechenden sektorbezogenen
Plan für die Finanzierung und Verbesserung des Bildungsbereichs
im Rahmen von "Education for All" und kann hinsichtlich
der Einschulungsraten in Grundschulen Erfolge aufweisen. Jedoch sind
diese eher quantitativ statt qualitativ. Wenn Uganda also zu den 10
erfolgreichen Entwicklungsländern in Subsahra-Afrika gehört,
welches das Milleniumentwicklungsziel "allgemeine Grundschulbildung"
für alle Jungen und Mädchen bis 2015 wahrscheinlich durchsetzen
wird, dann sollte man den qualitativen Aspekt im Hinterkopf behalten.
Bereitstellungsdefizite des Staates werden in ländlichen und
städtischen Gebieten häufig durch NGOs, internationale Spendenorganisationen,
private oder kommunale Initiativen ausgeglichen. Besonders letztere
können nur auf Grund von Schulgebühren existieren, wie beispielsweise
die New Bubajjwe Primary School.

Fotos: D. Rübbelke
|