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Global March organisiert 1. Weltkinderkongress gegen
Kinderarbeit
Vom 10.-13. Mai 2004 trafen sich Kinder und Jugendliche aus verschiedenen
Regionen der Welt in Florenz, um sich über ihre Erfahrungen als Kinderarbeiter
auszutauschen. Der 1. Weltkinderkongress gegen Kinderarbeit
war nach dem Global March gegen Kinderarbeit 1998 das größte
Ereignis des gleichnamigen internationalen Bündnisses gegen Kinderarbeit.
In Florenz machten vergangenes Jahr über 100 Kinder und Jugendliche
die Welt gemeinsam auf das fortwährende Schicksal von Millionen ausgebeuteter
und von der Schule ausgeschlossener Kinder aufmerksam.
Italienisches Außenministerium verweigert Kindern die Einreise
Die letzten Vorbereitungen für den Weltkinderkongress in Florenz
wurden allerdings kurzfristig durch die Entscheidung des italienischen
Außenministeriums - die Visa- anträge von über 100 Kindern und Jugendlichen
aus visapflichtigen Staaten Afrikas, Asiens und Osteuropas abzulehnen,
erschwert. Die Begründung hierfür war in erster Linie asylpolitischer
Natur, denn zahlreiche gewählte KonferenzteilnehmerInnen waren aus
"potenziellen Flüchtlingsländern" und nicht älter als 13 oder
14 Jahre. Da nicht jedes Kind von einem Erwachsenen individuell begleitet
wurde, sondern die Delegationen (meist 2-5 Kinder bzw. Jugendliche)
mit je einer Begleitperson reisten, war dem Außenministerium
das Risiko zu hoch, dass Kinder sich weigern könnten zurückzufliegen
und ihre Abschiebung damit problematisch wäre. Das Außenministerium
sah sich zu dem aufgrund der damals angespannten Situation im Irak
nicht in der Lage, dem Gelingen des Kinderkongress eine angemessene
Priorität einzuräumen, obwohl der italienische Präsident selbst Schirmherr
war.
Global March in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften
Global March gegen Kinderarbeit, dessen europäischer Koordinator
Mani Tese und die italienischen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL
organisierten gemeinsam den 1. Weltkinderkongress gegen Kinderarbeit.
Der Global March gegen Kinderarbeit erlangte 1998 weltweite Bekanntheit,
als in allen Teilen der Welt Millionen Demonstranten das bis dahin
großenteils vernachlässigte Thema Kinderarbeit in die Öffentlichkeit
trugen. Der Höhepunkt des Protestmarshes war die einstimmige Annahme
der Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit durch
die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Juni 1999.
ILO-Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit
Die Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit
fordert die Regierungen auf, unmittelbar Maßnahmen zur Beendigung
der schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu ergreifen. Obwohl mittlerweile
über 143 Staaten die ILO-Konvention 182 ratifiziert haben, sind
die Aktionen nicht ausreichend, um Kindern weltweit vor Ausbeutung
zu schützen. Wobei vor allem Kinder armer und sozial marginalisierter
Familien von Kinderarbeit und Missbrauch bedroht sind.
Kinder verlangen Rechenschaft
In Florenz hatten die Kinder die Chance, Vertreter von verantwortlichen
Regierungen und internationalen Organisationen zu fragen ....
- Was hat sich für sie durchgreifend nach der Annahme der ILO-Konvention
182 geändert?
- Wird das ehrgeizige Ziel, allen Kindern mindestens bis zum 14.
Lebensjahr eine kostenfreie, qualitativ gute Schulbildung zu gewähren
bis 2015 tatsächlich erreicht werden können?
- Haben die Armutsreduzierungsprogramme der Weltbank spürbare Auswirkungen
auf die armen, marginalisierten Familien, die aufgrund ihrer verzweifelten
Situation ihre Kinder teilweise schon mit 5 Jahren arbeiten schicken?
- Warum wird das Geld, was von reichen in arme Länder geschickt
wird, nicht gezielt für Kinder, Bildung und die Bekämpfung
eingesetzt, so dass wir - die Kinder armer Familien auch etwas davon
spüren?
Kinder aus aller Welt diskutieren und entwerfen eigene Deklaration
Die anwesenden Kinder und Jugendlichen aus Südafrika, Mittel-
und Südamerika, USA, Europa, Indien und Pakistan, Russland und
dem Nahen Osten tauschten ihre Erfahrungen und Forderungen in Plenarsitzungen
und regionalen und thematischen Workshops aus. Eine Gruppe von Teilnehmern
war ständig damit beschäftigt, die Kernaussagen zu sammeln
und die Deklaration dementsprechend zu entwerfen.
Expertendiskussionen
Parallel zu den Veranstaltungen der Kinder-Delegationen fanden Podiumsdiskussionen
und Runde Tische für Vertreter von Gewerkschaften, Vertreter von NGOs
sowie internationalen Organisationen und Regierungen statt. Damit
sollte eine aktuelle und intensive Reflektion relevanter Fragen und
Probleme angestoßen werden. Erwachsene Gäste beim Kongress
in Florenz waren ...
- Qian Tang, Direktor von UNESCO
- Frans Roselaers, Direktor des Internationalen Programms zur Abschaffung
von Kinderarbeit (IPEC) der ILO
- Guy Ryder, Generalsekretär ICFTU
- Ad Melkert, Direktor der Weltbank
- Soleny Hamu, Bildungsminister von Brasilien
- Ovidio Pacheco Salazar, Arbeitsminister von Costa Rica
- Kailash Satyarthi, Vorsitzender und Gründer von Global March
Frans Roselaers stellte bei dieser Gelegenheit den ILO Bericht "In
jedes Kind investieren. Eine ökonomische Studie über die Kosten und
den Nutzen der Beseitigung der Kinderarbeit" vor.
Die Hauptziele des 1. Weltkinderkongress gegen Kinderarbeit ...
- Den Kindern und Jugendlichen eine gemeinsame Plattform
zu bieten, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Lösungsvorschläge
aus ihrer Perspektive zu präsentieren. In diesem Zusammenhang
sollen sie die Möglichkeit erhalten, der Welt zu zeigen, dass
sie nicht nur Opfer bei der Verletzung von internationalen Konventionen
und nationalem Recht, welche die Kinder eigentlich schützen sollen,
sind, sondern dass sie ein Recht haben, gehört zu werden.
- Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wieder auf
das Thema Kinderarbeit zu lenken und auf kohärente und übergreifende
Maßnahmen von Regierungen, internationalen Institutionen, Arbeitgebern
und Arbeitern sowie NGOs zu drängen, damit die Ratifizierung und
vor allem Implementierung der ILO-Konvention 138, über das Mindestalter
zur Zulassung zur Beschäftigung, und die ILO-Konvention 182 über
die Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit vorangebracht
werden.
- Die Forderung nach der Schaffung eines raschen Zugangs zu
Bildung für Mädchen unter gezielter Einbeziehung der Kinderarbeiterinnen.
- Auf internationale Institutionen und Geldgeber Druck
auszuüben, damit sie Programme fördern, die darauf zielen, Kinderarbeit
abzuschaffen, Armut zu verringern, kostenlose und qualitativ gute
Bildung für alle zu sichern und die Erwachsenenarbeitslosigkeit
zu reduzieren.
- Den Kindern und Jugendlichen, die sich für ihre Rechte stark
machen eine Chance zu geben, sich weltweit über die Konferenz
in Florenz zu verständigen.
"Festung Europa"
Durch die Restriktionen des italienischen Ministeriums werden ausgerechnet
TeilnehmerInnen aus den Ländern ausgeschlossen, in denen die schlimmsten
Formen von Kinderarbeit stark präsent sind. Erst am 25. April hat
UNICEF in Benin einen Bericht über Kinderhandel veröffentlicht, der
zeigt, dass Frauen- und Kinderhandel in 89% der 53 afrikanischen Länder
als Problem anerkannt wird. Auch der UN-Sicherheitsrat hat zum wiederholten
Male mit einer Resolution auf das Problem von Kindersoldaten aufmerksam
gemacht. Leider wurden aber keine konkreten Maßnahmen festgesetzt.
Dies zeigt die Aktualität und Dringlichkeit für die Umsetzung bereits
existierender Konventionen zum Schutz von Kindern. Aber anstatt ein
solidarisches und hoffnungsvolles Signal gerade an die jüngsten Generationen
zu senden, trägt Italien mit seiner Asylpolitik der "sicheren Festung
Europa" zu einer menschenverachtenden Spaltung der Welt bei.
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